In eigener Sache

Was Ihr Anwalt besonders liebt:

Nachfolgend habe ich ein paar Dinge zusammengefasst, die man als Anwalt im Verhältnis zum Mandant besonders liebt. Natürlich ist das Ironie. Die nachfolgenden Szenarien kann ich als Anwalt nicht ausstehen.

Sie sind bitte nicht persönlich zu nehmen und auch glücklicherweise nicht der Regelfall.

Sonst hätte ich mich längst umorientiert, z.B. in den Bereich Versicherungen, und an der jährlichen Erhöhung Ihrer Beiträge mitgewirkt oder als Verwaltungsjurist Ihre Anträge allesamt ablehnend verbeschieden. Das ist natürlich nur ein kleiner Spaß, aber die nachfolgenden Dinge kommen leider immer wieder mal vor.

Daher habe ich mich entschlossen, diese kleine Zusammenfassung zu erstellen, gewisse Missstände im Verhältnis Rechtsanwalt-Mandant aufzuzeigen und zum diesbezüglichen Nachdenken anzuregen. Natürlich erwarte ich, dass Sie nicht nur darüber nachdenken, sondern die nachfolgend genannten Dinge vermeiden. Aber das ist ohnehin klar, oder? J

I.                    Schlechte Zahlungsmoral und Meckern wegen Honorarforderungen

Eines vorweg: „Billig“ sind Anwälte eigentlich nie, keine Frage. Dabei gibt es jedoch drei Dinge zu beachten:

1. Billig“ ist eine sehr subjektive Frage, die sowohl vom Anbieter wie auch vom Mandanten und dessen Verhältnissen abhängt.

Für den Anwalt aus der Großstadt ist mein übliches Stundenhonorar von € 175,00 – sofern wir auf Basis von Honorarvereinbarungen arbeiten – und meine Pauschalen, die ich meinen Mandanten im beiderseitigen Interesse anbiete, richtig „billig“.

In diversen großstädtischen Kanzleien sind Stundensätze von € 400,00 und mehr üblich.

Auch das mag für Großverdiener „billig“ sein. Wenn ich in unserer schönen Holledau solche Rechnungen stellen würde, hätte ich den jeweiligen Mandanten (zu Recht!) das letzte Mal gesehen und könnte meine Kanzlei zusperren.

2. Gute Dienstleistungen in einem sensiblen und verantwortungsvollen Tätigkeitsbereich sind ihr Geld wert!

„Billig“ ist ein Wort, das man im Bereich der Discounter und Werbungen a la „Geiz ist sexy“ belassen sollte, aber nicht bei Ihrem Anwalt. Ihr Anwalt berät und vertritt Sie in teils existenziellen Fragen.

Ihr Anwalt kann Sie unter Umständen davor bewahren, dass Sie sich durch Verträge ruinieren, dass ins Gefängnis wandern, Ihren Job oder Führerschein verlieren, Ihre unglückliche Ehe noch länger aushalten müssen, Ihr Chef Sie ausbeutet, Ihre Mieter Ihnen „auf der Nase herumtanzen“ oder Sie auch (nur) beraten, bevor „das Kind im Brunnen“ ist.

Wollen Sie in derart wichtigen Angelegenheiten, die aus guten Gründen auch weitgehend uns Anwälten vorbehalten sind, wirklich auf Parolen wie „Geiz ist sexy“ setzen? Na bitte.

3. Es dauert minimal 6 Jahre, um Rechtsanwalt zu werden. Also 8 Semester Jurastudium + 2 Jahre Referendarzeit. Das mit den 8 Semestern wäre eine Studiendauer von Kollegen, die wir zu meiner Studentenzeit als „Streber“ bezeichnet hätten.

Setzen wir also realistisch 9, eher 10 Semester Studienzeit an.

 

Mithin sind es locker 7 Jahre der Ausbildung, 5 Jahre davon ohne Einkommen, es sei denn, man schafft sich abseits der Universität welches.

Wenn Sie oder Ihre Kinder studieren, muss ich Ihnen über Studiengebühren nichts erklären.

 

Bis man dann wohlbestallter Rechtsanwalt ist, hat man nach Studium und Referendariat die Ehre, gleich zwei sogenannte „Staatsexamina“ zu bestreiten. Man erwirbt damit die „Befähigung zum Richteramt“, was Voraussetzung für die Zulassung als Rechtsanwalt ist.

Übrigens – weil ich das schon öfter gefragt wurde – durchlaufen Richter, Staatsanwälte, Verwaltungsjuristen grds. den gleichen Ausbildungsweg wie Rechtsanwälte.

Das bedeutet in Bayern insgesamt 17  jeweils fünfstündige Klausuren (im 1. Staatsexamen 6, im 2. Staatsexamen 11) zu schreiben.

 

Mit anderen Worten:

Es kostet richtig viel Geld, Zeit, Arbeit und Nerven, um den Weg durch ein Jurastudium, Referendariat und vor allem zwei Staatsexamina hinter sich zu bringen.

Ein Anwalt trägt eine sehr große Verantwortung gegenüber seinen Mandanten und nicht zuletzt auch ein nicht unerhebliches Haftungsrisiko.

 

Daher dürfte es auch klar sein, dass ein Rechtsanwalt etwas andere Stundensätze und Rechnungen stellt als andere Berufsgruppen.

 

Ich arbeite hier in jedem Fall mit Augenmaß. Eine faire und angemessene Bezahlung, aber auch und gerade die Rücksicht auf die individuellen Leistungsfähigkeiten meiner Mandanten und die Umstände des konkreten Einzelfalls bilden die Grundlagen meiner Abrechnungen.

 

Es gibt daher zum Meckern keinen Grund. Und erst recht nicht dafür, dass man Rechnungen erst Wochen später oder gar nicht bezahlt. Denn in diesem Fall muss ich mich selber vertreten und mein eigenes Geld eintreiben, was ich doch an sich für meine Mandanten mache.

Daher empfehle ich:

Wenn man einmal mit der Rechnung nicht einverstanden ist, sollte man erst einmal meinen obigen Text lesen. Ansonsten kann man mit mir immer reden. Und erst recht kann oder sollte man mit  mir reden, wenn man momentane oder dauerhafte Zahlungsschwierigkeiten hat. Auch hier kann man Lösungen finden.

 

Auch Ihr Anwalt hat laufende Kosten, muss Miete bezahlen, sich selbst versichern und vieles mehr.

 

Also bitte: Anwaltliche Leistungen gegen zeitnahe Bezahlung und/oder Vorschüsse.

 

 II.                  Die ganz Schlauen –  „Abstauber per Telefon“ (Sie schmunzeln jetzt, aber das passiert immer wieder!)


Ich bringe mal ein Beispiel, was ich NICHT fair finde:

 

Jemand ruft mich an und will „nur ganz kurz eine Frage“ beantwortet haben.

Natürlich am Telefon und natürlich gratis. Abgesehen davon, dass „ganz kurz“ dann locker die Dauer einer regulären Beratung (im Wert von  € 190,00 + Mehrwertsteuer) erreicht oder sogar sprengt, bin ich schon gesetzlich im Grundsatz nicht berechtigt, kostenlose Beratungen zu erbringen.

 

Abgesehen davon, dass ich das nicht will. Hallo? Geht es noch dreister? Ich lebe davon, dass ich Menschen mein jur. Fachwissen zur Verfügung stelle. Rechtsrat ist meine Ware, die ich verkaufe. (bzw. vermiete, denn zum Glück ist mein Wissen ja nach einem „Verkauf“ nicht weg.)

 

Überlegen Sie bitte: Gehen Sie zum Metzger und verlangen „nur ganz kurz“ ein Pfund Rinderfilet. Und das natürlich gratis. Da sollten zu Recht froh sein, wenn Sie nur gebeten werden, das Geschäft zu verlassen.

 

Verstehen Sie, was ich meine? Dergleichen funktioniert nicht. Falls Sie wirklich nur kurze Fragen haben, finden wir immer eine ebenso faire Pauschale. Sofern Sie eine Vorfrage zu einem möglicherweise größeren Fall haben, finden wir auch hier eine gute Lösung für beide Seiten.

 

Aber dreistes Abstauben gibt es nicht. Logisch, oder?

 

III.                Desinteresse am eigenen Verfahren

Ja, auch das gibt es tatsächlich – vor allem in den verschiedenen Bereichen des Zivilrechts – und ich würde das nicht hier beschreiben, wenn es nicht so unendlich frustrierend für mich und Kollegen wäre.

„Desinteresse am eigenen Verfahren“ – das sieht in der Praxis dann leider oft so aus:

Man wirft dem Anwalt einen Stapel (meist höchst lückenhafter) Unterlagen und eine Rechtschutzpolice hin und denkt sich. „Jetzt mach mal.“ Anrufe, Rücksprachebitten, Emails, Anschreiben und zahlreiche Anfragen nach dringend benötigten Unterlagen bzw. Informationen werden ignoriert, genervt abgewimmelt oder gar Zusagen gemacht, die dann nicht eingehalten werden.

Dies führt dann dazu, dass Fristen verstreichen und man dann diverse – nicht selten prozessentscheidende (!) – Verteidigungs-/Angriffsmittel nicht mehr in den Prozess einführen kann.

Falls dies für Sie etwas trocken klingt, bringe ich ein ganz konkretes Beispiel:

Mandant A hat für Beklagten B (beide Handwerker) einige Werkleistungen erbracht und in Rechnung gestellt. Diese hat B nicht bezahlt. A möchte, dass ich nach fruchtloser außergerichtlicher Beitreibung seinen Anspruch gegen B  einklage. Ich verklage B und dieser verteidigt sich damit, dass er einen Teil der Rechnungen mit eigenen Forderungen gegen A verrechnet habe und den zweiten Teil der Rechnungen nie erhalten hätte. Als Klägeranwalt muss ich das nun durch eigene Ausführungen irgendwie widerlegen und diesen Vortrag unter Beweis stellen. Das geht aber nur, wenn mir der Mandant Informationen und Beweise (Postbuch, evtl. Rechnungen der Gegenseite, Debitorenkonten, Zeugen usw.) beibringt.

So. Hierfür habe ich eine Frist vom Richter gesetzt bekommen und demnächst ist auch Gerichtstermin. Und was passiert jetzt? Genau. Gar nichts. Der Mandant meldet sich nicht, ist nicht erreichbar, sichert mir die Beibringung von Unterlagen vielleicht sogar zu – tut aber trotzdem nichts.

Was passiert dann?

Der Prozess geht dann nicht selten verloren oder ich stehe sogar vor der bizarren Situation, dass ich im Interesse meines Mandanten gezwungen bin, die Klage, die ich selbst gefertigt habe, zurückzunehmen. Warum das? Erstens ist es billiger und zweitens kann man eine zurückgenommene Klage später erneut einreichen. Der Anspruch meines Mandanten ist nicht verloren, was aber für alle Zeit passiert wäre, wenn ich ein klageabweisendes Urteil riskiert hätte. Rechtskraft und so…

Und dann?

Na klar – dann ist der Anwalt schuld.

Ich habe doch meinen Beitrag an die Rechtschutzversicherung gezahlt (nicht selten wird dann noch an den Anwalt herangetreten und wegen der häufig vereinbarten € 150,00 Selbstbeteiligung gemäkelt – „Der kann doch wohl auf die € 150,00 verzichten, wenn er den Rest von „der Rechtschutz“ kriegt.“ Typisch deutsches Anspruchsdenken, vergleichbar den Urlaubsklischees  der besetzten Liegen am Pool oder dem all-inclusive-buffet.), dann kann ich doch wohl erwarten, dass sich der Anwalt durch Berge von Akten wühlt und mit dem klarkommt, was ich ihm einmalig gebracht habe…und überhaupt, der soll sich nicht so haben und sich was einfallen lassen. Wofür ist er denn Anwalt?

Im eher harmlosen Fall erntet man als Anwalt dann beleidigtes Schweigen und hört nie wieder was von diesem Mandanten. Im eher unangenehmen Fall darf man sich für etwas sehr schwach anreden lassen, was alleine der Mandant „verbockt“ hat. Und das „schwach anreden“ habe ich bewusst vorsichtig formuliert. Alles klar?

Das Ganze muss aber nicht sein, daher schreibe ich es sogar auf meine Webseite, damit man vermeidbarer Ärger in Ihrem Fall erst gar nicht auftritt:

Ich als Ihr Anwalt bin stets bereit, mein Bestes für Ihre Interessen zu geben. Das geht aber nur, wenn Sie auch aktiv mitarbeiten und mich bei durch die Beibringung von Unterlagen und Informationen unterstützen.

 Wenn Sie tatsächlich so tapfer waren und diesen ganzen lagen Text, den ich aus er- und durchlebten unschönen Momenten des Anwaltsberufs heraus verfasst habe, durchgelesen habe, bin ich schwer begeistert.

Dann nun können uns beiden die o.g. Situation schon gar nicht mehr passieren.

 

Herzlichen Dank dafür im Voraus!

 

 

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