Strafrecht

Strafrecht

Drei Dinge vorweg:

  1. Ruhe bewahren, jegliche Eskalation vermeiden!
  2. Machen Sie (ohne Anwalt) keinerlei Angaben zur Sache!
  3. Nehmen Sie schnellstmöglich Kontakt zu Ihrem Anwalt auf!

Egal, was gerade schief gelaufen ist. Egal, ob es vielleicht ein Bierchen zuviel war oder egal, wer die Prügelei angefangen oder die angebliche Fahrerflucht begangen hat.

Sie haben im Umgang mit Ermittlungsbehörden drei “scharfe Waffen”:

  1. Ruhe bewahren, jegliche Eskalation vermeiden!
  2. Sie machen (ohne Anwalt) keinerlei Angaben zur Sache!
  3. Nehmen Sie schnellstmöglich Kontakt zu Ihrem Anwalt auf!

Wenn Sie diese drei simplen Punkte strikt und jederzeit einhalten, haben Sie Ihre schärfsten Waffen, welche Ihnen das Gesetz zugesteht, sehr sinnvoll eingesetzt. Alles Weitere regelt Ihr Anwalt.

Was müssen Sie sonst machen? Sie sind verpflichtet Angaben zur Person zu machen.

Das bedeutet: Vor-, Familien- oder Geburtsnamen, den Ort oder Tag seiner Geburt, Familienstand, seinen Beruf, seinen Wohnort, seine Wohnung oder seine Staatsangehörigkeit. Ansonsten machen Sie bitte keinerlei Angaben!!!

Warum stelle ich das vorweg und wiederhole es gleich daraufhin nochmal?

Weil das richtige Verhalten im Umgang mit Ermittlungsbehörden im Bereich des Strafrechts (und auch sonst) in der Praxis nicht so einfach ist, wie die drei kleinen vorangestellten Verhaltenshinweise.

Wenn Sie mit Ermittlungsbehörden zu tun haben, ist in der Regel etwas Unangenehmes passiert. Sie sind mit dem Auto gestoppt worden, Sie sind in eine Prügelei geraten, es klingelt an Ihrer Wohnungstür und Ihnen wird ein „Durchsuchungsbeschluss“ vor Augen gehalten und Ihre Wohnung durchsucht.

In allen denkbaren Fällen steht der Mensch unter Stress und will etwas ganz natürliches und instinktiv angeborenes tun, was aber im Bereich des Strafrechts dringenst zu unterlassen ist:

„Er will sich rechtfertigen.“ Völlig normal. Man will sich ja verteidigen, will den Polizisten erklären, was wirklich passiert ist usw usw….

„Muss ich nicht zur Sache aussagen?“

Antwort: Nein. Als Beschuldigter müssen (und sollten Sie zunächst!) keinerlei Angaben machen. Als Zeuge ist das mit der Maßgabe gewisser Zeugnis- und Auskunftsverweigerungsrechte anders, aber auch hier besteht keine Veranlassung, vor Ort Angaben zu machen. Dafür ist nach Vorladung zur Zeugenvernehmung immer noch Zeit.

Und vor allem: „Wenn ich da schweige, dann glauben die doch erst recht, dass ich es war.“

Antwort: NEIN, Ihr Schweigen als Beschuldigter darf nicht zu Ihrem Nachteil ausgewertet werden. Auch wenn man das nach natürlicher Auffassung als Laie so verstehen mag. Aber im Ermittlungsverfahren gelten nun einmal keine natürlichen Regeln, sondern die Strafprozessordnung.

Polizisten neigen nach meiner Erfahrung leider gelegentlich dazu, ein bisschen „Richter zu spielen.“ Das heißt, Sie machen gegenüber dem Beschuldigten sogar Prognosen bezüglich des zu erwartenden Strafmaßes. Dabei steht Ihnen das in keiner Weise zu, denn entscheiden wird Ihren Fall ein Richter.

Und dem ist es völlig egal, was die Polizisten von Ihnen denken bzw. ob diese sie für schuldig halten oder nicht. Der Richter wird in jedem Fall eine eigene und unabhängige Entscheidung treffen.

Also können Sie sich auch – wenn Sie überhaupt etwas sagen wollen – bis zur Verhandlung gedulden.
Warum sollten Sie in der Hitze des Augenblicks Dinge sagen, die Ihnen später – bei abgekühltem Blut und kritischem Überdenken der Situation – als völlig anders erscheinen. Logisch, oder?

Das Problem von (vor)schnellen Aussagen ist auch, dass diese selbstverständlich im Protokoll stehen und spätestens im Ermittlungsbericht der sachbearbeitenden Polizeibeamten auftauchen.

Sollten Sie dann vor dem Richter eine abweichende Darstellung des Sachverhalts schildern, wird dieser Ihnen Ihre Angaben am Tatort bzw. aus Ihrer polizeilichen Vernehmung vorhalten und es ist – oft zu Recht – Ihre Glaubwürdigkeit dahin.

Bitte beachten Sie auch:

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen oder zu einer Aussage verleiten.

Gelegentlich versuchen Polizeibeamte, Ihnen Angaben zur Sache schmackhaft zu machen oder stellen Ihnen sogar vermeintlich negative Konsequenzen in Aussicht, falls Sie nicht aussagen wollen.

Der Klassiker: „Sie könnten sich vieles erleichtern.“ „Wenn Sie nichts sagen, müssen wir Sie mitnehmen.“

Bitte: Sagen Sie trotzdem nichts. Wiederholen Sie stets höflich auf alle Fragen „Ich mache keine Angaben zur Sache und möchte mit meinem Anwalt sprechen, was mein gutes Recht ist.“

Sie wollen es etwas mehr im Wortlaut des Gesetzes? Kein Problem. Dann sagen Sie etwa: „Es ist mein Recht, mich in jeder Lage des Verfahrens eines Verteidigers zu bedienen.“

Spaß beiseite: Vermeiden Sie jede Eskalation. Leisten Sie keinen Widerstand und befolgen Sie die Anweisungen der Ermittlungspersonen mit Ausnahme von Angaben zur Sache. Lassen Sie sich aufs Revier verbringen und verlangen Sie, dass so schnell wie möglich Ihr Anwalt informiert wird.

Dieser regelt alles Weitere für Sie.

 

 

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